Das Sakraldermoid
von Univ. Prof. Prim. Dr. Alfred Keiler
 

Ein immer wieder in einer chirurgischen Praxis anzutreffendes Krankheitsbild ist das sogenannte Sakraldermoid, auch Steißbeinfistel oder in der medizinischen Fachsprache Pilonidalsinus genannt. Dabei handelt es sich um einen über dem Steißbein im oberen Bereich der Glutealfalte liegenden, chronisch entzündlichen Herd, der als weicher, druckempfindlicher, etwa haselnußgroßer Knoten auffällt. In seinem reaktionslosen Stadium ist er weitgehend symptomlos, und Sakraldermoide bleiben daher meist lange Zeit unbemerkt. Klinische Bedeutung bekommen sie durch die Entstehung entzündlicher Komplikationen, wie Abszeßbildungen, gegebenenfalls Fistelbildungen und es kann zum Auftreten von Fieber, zu einem Abgang von eitrigem Sekret und vor allem zu intensiven Schmerzen kommen.

Hat man früher das Sakraldemoid für einen angeborenen Prozeß gehalten, so gilt das Sakraldermoid heute als ein sich autonom entwickelndes Krankheitsbild. Starker Haarwuchs und sitzende Tätigkeiten gelten als prädisponierende Faktoren. Komplikative und schmerzhafte Verläufe werden z.B. durch langes Autofahren ausgelöst (Jeep-Krankheit), wobei es durch Schwitzen und mechanische Belastungen zu Macerationsvorgängen an der Haut kommen kann.Dadurch entstehen Eintrittspforten für Keime, die sich in Haarbälgen einnisten und das spätere Krankheitsbild auslösen. Die Erkrankung tritt meistens im zweiten bis dritten Lebensjahrzehnt auf, wobei Männer dreimal häufiger als Frauen betroffen sind. Wenngleich das Sakraldermoid nicht als eine schwerwiegende chirurgische Erkrankung betrachtet wird, stellt sie dennoch wegen des möglichen Leidensdruckes, vor allem bei komplikativen Verlaufsformen, wegen der hohen Rezidivrate und wegen lang andauernder Rekonvaleszenzen ein ernstzunehmendes Problem dar.

Zur Behandlung des Sakraldermoids sind zahlreiche therapeutische Möglichkeiten beschrieben, wobei es das Ziel moderner Behandlungsmethoden ist, die Heilungsdauer so kurz wie möglich zu gestalten und Rezidive zu vermeiden. Im folgenden soll die an der Privatklinik Wels St. Stephan bevorzugte Operationsmethode dargestellt werden, die auf Grund unserer Erfahrung den gestellten Anforderungen am besten entspricht: Präoperativ wird das zu entfernende Areal markiert und in der Folge weiträumig excidiert.

 

 

Bildung des Transpositionslappens

 

 

Durch eine plastisch chirurgische Technik mit Hilfe eines Transpositionslappens wird der entstehende Defekt vollständig geschlossen, sodaß auch bei großen abszedierenden Prozessen lang andauernde offene Wundverhältnisse vermieden werden können. Mit der aufgezeigten OP-Technik ist ein durchschnittlicher Spitalsaufenthalt von 3 Tagen erforderlich, und es kann danach mit einer raschen Eingliederung in den gewohnten Tagesabalauf gerechnet werden.

 

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